Prüfe,
wer sich bindet
So
viele Meinungen wie Experten: Wie findet man den richtigen Bausachverständigen?
WAS STEHT INS HAUS?
Innerhalb von fünf Jahren hatten wir in unserem Keller mehrere Wasserschäden.
Bisher waren schon zwei Sachverständige mit der Sache befasst. Obwohl sie
unterschiedliche Ansichten zu den Schadensursachen vertraten, wurde die
Abdichtung nach den Empfehlungen beider saniert. Nach erneutem Wassereinbruch
wurde ein weiterer Experte zurate gezogen. Dieser sagt, dass die Nachbesserung
zwar fachgerecht sei, aber die eigentliche Schadensursache nicht habe behoben
werden können. Wie findet man einen Sachverständigen, um problemlos zur
optimalen Lösung zu gelangen?
WAS STEHT IM GESETZ?
Der Begriff „Sachverständiger“ ist in Deutschland nicht geschützt. Ein für den
Verbraucher sichtbares Qualitätsmerkmal ist aber seine Bestellung und
Vereidigung bei einer Kammer des öffentlichen Rechts. Neben den Industrie- und
Handelskammern sowie den Handwerkskammern dürfen seit einigen Jahren auch die
Architekten- und Baukammern solche Bestellungen geeigneter Ingenieure und
Architekten beurkunden.
Damit der Fachmann eine solche Bestellung erlangen kann, muss er seine
langjährige Erfahrung und spezialisierte Fachkenntnisse auf dem
Bestellungsfachgebiet durch Prüfungen nachweisen. Außerdem muss er eine
besondere Weiterbildung im Sachverständigenrecht absolvieren. In der
Bauwirtschaft gibt es eine Vielzahl von Bestellungsfachgebieten, die zum Teil
sehr spezialisiert sind oder auch unter umfassenderen Bestellungstenören
zusammengefasst werden. Die Palette der Bestellungsfachgebiete reicht von
Mauerwerksbau, Feuchte- und Wärmeschutz über Massivbau, Baukonstruktion bis hin
zu dem Vereidigungstenor „Schäden an Gebäuden“. Die Frage, ob ein auf nur ein
Fachgebiet spezialisierter Sachverständiger beauftragt werden sollte oder
jemand mit einem umfassenderen Bestellungsgebiet, wird häufig gestellt und ist
Anlass von Diskussionen. Dabei hört man häufig, dass nur der spezialisierte
Fachmann das einzelne Problem lösen könne, der Allrounder also nicht das
spezialisierte Fachwissen auf dem benötigten Gebiet hätte.
UND WIE STEHEN SIE DAZU?
Ein mit umfassenderem Tenor bestellter Sachverständiger muss mehrere
Fachgebiete spezialisiert beherrschen, weil er sonst nicht in der Lage ist,
komplexere Schadensverläufe am Bauwerk zu analysieren. Der auf ein Fachgebiet
spezialisierte Sachverständige benötigt ebenfalls tiefgreifende Kenntnisse in
den an sein Fachgebiet angrenzenden Sparten. Sonst könnte er keine umfassende
Analyse und Problemlösung erarbeiten. Das Wichtigste ist aber, vor der
Beauftragung eines Sachverständigen abzuklären, ob er tatsächlich für die
geschilderte Aufgabe das erforderliche Wissen und die nötige Erfahrung besitzt.
Im Zweifelsfall kann man dies schon in einem Telefonat klären. Kurzum, sowohl
der Spezialist als auch der Allrounder können bei der Problemlösung die
richtige Wahl sein, vorausgesetzt, sie besitzen die benötigte spezielle
fachliche Kompetenz.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 17.11.2007)
Infos unter Verband privater Bauherrn : http://www.vpb.de/